5 Versicherungsfehler, die Selbstständige am häufigsten machen
5 Versicherungsfehler, die Selbstständige
am häufigsten machen
In meiner täglichen Beratungspraxis begegnen mir immer wieder dieselben Lücken. Nicht weil Selbstständige unvorsichtig wären – sondern weil das Versicherungssystem für Angestellte konzipiert ist und viele der bekannten Regeln für Selbstständige schlicht nicht gelten. Diese fünf Fehler können teuer werden. Manche können die Existenz gefährden.
Bevor ich in die Details gehe – hier die Übersicht. Erkennst du dich bei einem dieser Punkte wieder, sollten wir reden.
Kein Krankentagegeld –
obwohl kein gesetzlicher Schutz besteht
Arbeitnehmer erhalten bei Krankheit bis zu sechs Wochen lang Entgeltfortzahlung vom Arbeitgeber. Danach springt die gesetzliche Krankenversicherung mit Krankengeld ein. Als Selbstständige oder Selbstständiger hast du keinen dieser Ansprüche – zumindest nicht automatisch.
Freiwillig GKV-Versicherte Selbstständige haben ohne gesonderten Wahltarif keinen Anspruch auf Krankengeld (§ 44 SGB V gilt für Pflichtversicherte). PKV-Versicherte sind ebenfalls ohne separaten Krankentagegeld-Tarif ungeschützt. Das bedeutet: Wer erkrankt und nicht arbeiten kann, hat vom ersten Tag an kein Einkommen mehr.
Keine Betriebshaftpflicht –
die private Haftpflicht deckt das nicht
Das ist einer der gefährlichsten Fehler – und einer der häufigsten. Viele Selbstständige gehen davon aus, dass ihre private Haftpflichtversicherung auch beruflich verursachte Schäden abdeckt. Das ist falsch.
Die private Haftpflichtversicherung schließt Schäden aus beruflicher oder gewerblicher Tätigkeit ausdrücklich aus. Das steht in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen – und es gilt unabhängig davon, ob du zu Hause oder im Büro arbeitest, ob du eine GmbH oder ein Einzelunternehmen betreibst.
Wer als Consultant einen fehlerhaften Rat gibt, der dem Kunden 50.000 € Schaden kostet – wer als Freelancer-Entwicklerin einen Bug einbaut, der eine Produktionsausfallzeit verursacht – wer als selbstständige Physiotherapeutin einen Patienten versehentlich verletzt: In allen diesen Fällen greift die private Haftpflicht nicht.
Keine Berufsunfähigkeitsversicherung –
obwohl der staatliche Schutz fehlt
„Ich bin jung, gesund und arbeite am Schreibtisch. Was soll mir schon passieren?“ Dieser Gedanke ist verständlich – und gefährlich. Berufsunfähigkeit entsteht in der Mehrheit der Fälle nicht durch Unfälle, sondern durch Erkrankungen: Burnout, Depression, Rückenprobleme, Krebserkrankungen.
Für Arbeitnehmer gibt es bei langer Arbeitsunfähigkeit zumindest einen eingeschränkten Schutz durch die gesetzliche Erwerbsminderungsrente (§ 43 SGB VI). Selbstständige ohne ausreichende Einzahlungszeiten in die gesetzliche Rentenversicherung haben oft keinen oder nur einen sehr geringen Anspruch.
Das bedeutet: Wer als Selbstständiger langfristig nicht mehr arbeiten kann, ist ohne private Absicherung vollständig auf eigene Ersparnisse oder familiäre Unterstützung angewiesen. Es gibt kein Netz.
Altersvorsorge auf später verschieben –
der teuerste aller Fehler
„Erst wenn das Unternehmen läuft, kümmere ich mich ums Alter.“ Das höre ich oft. Und ich verstehe es – die ersten Jahre der Selbstständigkeit sind intensiv, die Liquidität knapp, der Fokus liegt auf dem Aufbau.
Aber dieser Aufschub hat einen konkreten Preis: den Zinseszins-Effekt. Wer mit 30 statt mit 35 anfängt, für Alter vorzusorgen, hat am Ende trotz gleicher monatlicher Beiträge deutlich mehr angespart – weil das Kapital fünf Jahre länger arbeiten konnte. Dieser Effekt wirkt in beide Richtungen: Wer zu spät anfängt, muss später deutlich mehr einzahlen, um dasselbe Ergebnis zu erreichen.
Hinzu kommt: Als Selbstständige oder Selbstständiger zahlt niemand mit. Kein Arbeitgeberanteil, keine automatische GRV-Einzahlung. Die gesamte Altersvorsorge liegt in deiner Hand – und damit auch die Verantwortung, früh genug anzufangen.
Versicherungen nie als Gesamtbild betrachtet –
Lücken und Doppeldeckungen unbemerkt
Dieser Fehler ist subtiler als die anderen – und deshalb oft der gefährlichste. Versicherungen entstehen schrittweise: Ein Vertrag beim Berufsstart, einer nach dem ersten größeren Auftrag, einer auf Empfehlung eines Bekannten. Das Ergebnis nach einigen Jahren ist kein System – es ist ein Sammelsurium.
Ich sehe in der Praxis regelmäßig beides:
- Doppeldeckungen: Zwei Verträge sichern dasselbe Risiko ab – zum Beispiel eine alte private Haftpflicht aus Angestelltenjahren und eine neue Betriebshaftpflicht, die teilweise überschneidende Leistungen enthält. Beiträge werden doppelt gezahlt, ohne dass ein Mehrwert entsteht.
- Versteckte Lücken: Ein Vertrag, der vor Jahren abgeschlossen wurde, passt nicht mehr zur aktuellen Lebenssituation. Das Unternehmen hat sich verändert, die Umsätze sind gestiegen, neue Risiken sind hinzugekommen – aber die Versicherung wurde nie angepasst.
- Veraltete Bedingungen: Ältere Verträge haben oft schlechtere Klauseln als aktuelle Tarife – besonders bei der Berufsunfähigkeitsversicherung kann das im Leistungsfall erhebliche Auswirkungen haben.
Diese fünf Fehler sind keine Ausnahmen – sie sind die Regel. Nicht weil Selbstständige nachlässig wären, sondern weil das Versicherungssystem komplex ist, die Eigenverantwortung hoch und die Zeit knapp.
Was hilft: einmal innehalten, das Gesamtbild anschauen und die richtigen Prioritäten setzen. Das muss nicht kompliziert sein. Aber es muss irgendwann passieren – am besten bevor etwas passiert.
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