5 Versicherungsfehler, die Selbstständige am häufigsten machen

5 Versicherungsfehler, die Selbstständige am häufigsten machen | Sarah Wollmann

5 Versicherungsfehler, die Selbstständige
am häufigsten machen

In meiner täglichen Beratungspraxis begegnen mir immer wieder dieselben Lücken. Nicht weil Selbstständige unvorsichtig wären – sondern weil das Versicherungssystem für Angestellte konzipiert ist und viele der bekannten Regeln für Selbstständige schlicht nicht gelten. Diese fünf Fehler können teuer werden. Manche können die Existenz gefährden.

Bevor ich in die Details gehe – hier die Übersicht. Erkennst du dich bei einem dieser Punkte wieder, sollten wir reden.

Die 5 Fehler auf einen Blick
1
Kein Krankentagegeld – obwohl kein gesetzlicher Schutz besteht
Privaten Krankentagegeld-Tarif abschließen
2
Private Haftpflicht statt Betriebshaftpflicht – Deckungslücke im Ernstfall
Betriebshaftpflicht sofort einrichten
3
Keine Berufsunfähigkeitsversicherung – trotz fehlendem GRV-Schutz
BU so früh wie möglich abschließen
4
Altersvorsorge auf später verschieben – der teuerste aller Fehler
Jetzt starten – auch mit kleinen Beträgen
5
Versicherungen nie als Gesamtbild betrachtet – Lücken und Doppeldeckungen unbemerkt
Gesamtanalyse durchführen lassen
1
Fehler 01

Kein Krankentagegeld –
obwohl kein gesetzlicher Schutz besteht

Arbeitnehmer erhalten bei Krankheit bis zu sechs Wochen lang Entgeltfortzahlung vom Arbeitgeber. Danach springt die gesetzliche Krankenversicherung mit Krankengeld ein. Als Selbstständige oder Selbstständiger hast du keinen dieser Ansprüche – zumindest nicht automatisch.

Freiwillig GKV-Versicherte Selbstständige haben ohne gesonderten Wahltarif keinen Anspruch auf Krankengeld (§ 44 SGB V gilt für Pflichtversicherte). PKV-Versicherte sind ebenfalls ohne separaten Krankentagegeld-Tarif ungeschützt. Das bedeutet: Wer erkrankt und nicht arbeiten kann, hat vom ersten Tag an kein Einkommen mehr.

Was im Ernstfall passiert
Bei einem Selbstständigen mit monatlichen Betriebskosten von 2.000 € und laufenden Privatausgaben können bereits vier Wochen Arbeitsunfähigkeit zu ernsthaften finanziellen Engpässen führen. Bei längerer Erkrankung kann das die Existenz gefährden – besonders wenn kein Polster vorhanden ist.
Was du tun kannst
Ein privates Krankentagegeld sichert dir ab dem vereinbarten Karenztag (z. B. ab Tag 4, 8 oder 15) ein tägliches Einkommen. Die Höhe der Absicherung sollte deinen tatsächlichen Einkommensbedarf decken – nicht nur die Fixkosten. Wer GKV-versichert ist, kann alternativ einen GKV-Wahltarif mit Krankengeld wählen. Ich vergleiche beide Optionen für deine konkrete Situation. → Mehr zur Krankenversicherung für Selbstständige

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Fehler 02

Keine Betriebshaftpflicht –
die private Haftpflicht deckt das nicht

Das ist einer der gefährlichsten Fehler – und einer der häufigsten. Viele Selbstständige gehen davon aus, dass ihre private Haftpflichtversicherung auch beruflich verursachte Schäden abdeckt. Das ist falsch.

Die private Haftpflichtversicherung schließt Schäden aus beruflicher oder gewerblicher Tätigkeit ausdrücklich aus. Das steht in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen – und es gilt unabhängig davon, ob du zu Hause oder im Büro arbeitest, ob du eine GmbH oder ein Einzelunternehmen betreibst.

Wer als Consultant einen fehlerhaften Rat gibt, der dem Kunden 50.000 € Schaden kostet – wer als Freelancer-Entwicklerin einen Bug einbaut, der eine Produktionsausfallzeit verursacht – wer als selbstständige Physiotherapeutin einen Patienten versehentlich verletzt: In allen diesen Fällen greift die private Haftpflicht nicht.

Was ohne Betriebshaftpflicht passiert
In Deutschland gilt das Prinzip der unbeschränkten Haftung mit dem Privatvermögen (§ 276 BGB). Das bedeutet: Ein einzelner Schadensfall kann – ohne Versicherungsschutz – zur vollständigen privaten Haftung führen. Auch geringfügig erscheinende Schäden können durch Folgekosten, Anwalts- und Gerichtskosten schnell erhebliche Summen erreichen.
Besonderheit: Vermögensschadenhaftpflicht
Die Betriebshaftpflicht deckt Personen- und Sachschäden. Reine Vermögensschäden – also finanzielle Schäden beim Kunden ohne körperliche oder sachliche Komponente – sind nur über eine Berufshaftpflichtversicherung (Vermögensschadens-Haftpflicht) abgesichert. Diese ist besonders wichtig für Berater, Steuerberater, IT-Dienstleister, Architekten und Makler.
Was du tun kannst
Eine Betriebshaftpflichtversicherung ist für nahezu jeden Selbstständigen unerlässlich – unabhängig von Branche und Unternehmensgröße. Je nach Tätigkeit kommt zusätzlich eine Berufshaftpflicht in Betracht. Ich analysiere deinen konkreten Absicherungsbedarf und vergleiche Angebote am Markt. → Zu den Gewerbeversicherungen

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Fehler 03

Keine Berufsunfähigkeits­versicherung –
obwohl der staatliche Schutz fehlt

„Ich bin jung, gesund und arbeite am Schreibtisch. Was soll mir schon passieren?“ Dieser Gedanke ist verständlich – und gefährlich. Berufsunfähigkeit entsteht in der Mehrheit der Fälle nicht durch Unfälle, sondern durch Erkrankungen: Burnout, Depression, Rückenprobleme, Krebserkrankungen.

Für Arbeitnehmer gibt es bei langer Arbeitsunfähigkeit zumindest einen eingeschränkten Schutz durch die gesetzliche Erwerbsminderungsrente (§ 43 SGB VI). Selbstständige ohne ausreichende Einzahlungszeiten in die gesetzliche Rentenversicherung haben oft keinen oder nur einen sehr geringen Anspruch.

Das bedeutet: Wer als Selbstständiger langfristig nicht mehr arbeiten kann, ist ohne private Absicherung vollständig auf eigene Ersparnisse oder familiäre Unterstützung angewiesen. Es gibt kein Netz.

Warum das Timing entscheidend ist
Der Beitrag einer Berufsunfähigkeitsversicherung hängt stark vom Einstiegsalter und vom Gesundheitszustand bei Antragstellung ab. Je früher der Abschluss, desto günstiger der Beitrag – und desto größer die Wahrscheinlichkeit, zu Standard-Konditionen versichert zu werden. Wer mit Vorerkrankungen wartet, riskiert Ausschlüsse, Risikozuschläge oder eine vollständige Ablehnung.
Besonderheit: Anonyme Risikovoranfrage
Bevor du einen BU-Antrag stellst, sollte eine anonyme Risikovoranfrage bei mehreren Anbietern erfolgen. Ich führe diese für dich durch – ohne Eintrag in der Wagnisdatei (HIS). So erfährst du vorab, welche Gesellschaft zu welchen Konditionen bereit wäre, dich zu versichern. Mehr zur Berufsunfähigkeitsabsicherung →
Was du tun kannst
Wenn du noch keine BU hast: Jetzt prüfen lassen – nicht nächstes Jahr. Wenn du bereits eine hast: Prüfen, ob die versicherte Rente noch deinem tatsächlichen Einkommensbedarf entspricht. Gerade nach Jahren der Selbstständigkeit mit steigendem Einkommen ist eine Anpassung oft notwendig.

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Fehler 04

Altersvorsorge auf später verschieben
der teuerste aller Fehler

„Erst wenn das Unternehmen läuft, kümmere ich mich ums Alter.“ Das höre ich oft. Und ich verstehe es – die ersten Jahre der Selbstständigkeit sind intensiv, die Liquidität knapp, der Fokus liegt auf dem Aufbau.

Aber dieser Aufschub hat einen konkreten Preis: den Zinseszins-Effekt. Wer mit 30 statt mit 35 anfängt, für Alter vorzusorgen, hat am Ende trotz gleicher monatlicher Beiträge deutlich mehr angespart – weil das Kapital fünf Jahre länger arbeiten konnte. Dieser Effekt wirkt in beide Richtungen: Wer zu spät anfängt, muss später deutlich mehr einzahlen, um dasselbe Ergebnis zu erreichen.

Hinzu kommt: Als Selbstständige oder Selbstständiger zahlt niemand mit. Kein Arbeitgeberanteil, keine automatische GRV-Einzahlung. Die gesamte Altersvorsorge liegt in deiner Hand – und damit auch die Verantwortung, früh genug anzufangen.

Was 5 Jahre Aufschub kosten können
Wer ab dem 30. Lebensjahr monatlich einen bestimmten Betrag in eine private Rentenversicherung einzahlt, hat bis zum 67. Lebensjahr deutlich mehr angespart als jemand, der erst ab dem 35. beginnt – bei identischen Beiträgen. Konkrete Zahlen hängen von Tarif, Renditeentwicklung und Kosten ab und können nicht pauschal garantiert werden. Der Effekt ist jedoch in jedem Szenario erheblich.
Was du tun kannst
Starte jetzt – auch wenn der Betrag zunächst klein ist. Ein kleiner monatlicher Betrag früh einzuzahlen ist fast immer besser als ein großer Betrag spät. Für Selbstständige kommt insbesondere die Basisrente (Rürup-Rente) in Betracht – sie ist steuerlich absetzbar und speziell für Selbstständige konzipiert. Für steuerliche Details: immer den Steuerberater hinzuziehen. → Zur privaten Rentenversicherung

5
Fehler 05

Versicherungen nie als Gesamtbild betrachtet –
Lücken und Doppeldeckungen unbemerkt

Dieser Fehler ist subtiler als die anderen – und deshalb oft der gefährlichste. Versicherungen entstehen schrittweise: Ein Vertrag beim Berufsstart, einer nach dem ersten größeren Auftrag, einer auf Empfehlung eines Bekannten. Das Ergebnis nach einigen Jahren ist kein System – es ist ein Sammelsurium.

Ich sehe in der Praxis regelmäßig beides:

  • Doppeldeckungen: Zwei Verträge sichern dasselbe Risiko ab – zum Beispiel eine alte private Haftpflicht aus Angestelltenjahren und eine neue Betriebshaftpflicht, die teilweise überschneidende Leistungen enthält. Beiträge werden doppelt gezahlt, ohne dass ein Mehrwert entsteht.
  • Versteckte Lücken: Ein Vertrag, der vor Jahren abgeschlossen wurde, passt nicht mehr zur aktuellen Lebenssituation. Das Unternehmen hat sich verändert, die Umsätze sind gestiegen, neue Risiken sind hinzugekommen – aber die Versicherung wurde nie angepasst.
  • Veraltete Bedingungen: Ältere Verträge haben oft schlechtere Klauseln als aktuelle Tarife – besonders bei der Berufsunfähigkeitsversicherung kann das im Leistungsfall erhebliche Auswirkungen haben.
Das eigentliche Problem
Wer den Überblick verloren hat, erkennt Lücken erst dann, wenn sie relevant werden – also im Schadenfall. Das ist der denkbar schlechteste Moment für eine Analyse. Eine strukturierte Gesamtprüfung aller Verträge ist der einzige Weg, um Sicherheit zu haben – nicht das Gefühl von Sicherheit.
Was du tun kannst
Ich nehme mir in der Erstberatung die Zeit, deine bestehenden Verträge vollständig zu sichten. Nicht um neue Verträge zu verkaufen – sondern um Klarheit zu schaffen. Was passt, bleibt. Was doppelt vorhanden ist, wird bereinigt. Was fehlt, wird identifiziert. Eine strukturierte Gesamtanalyse ist der erste und wichtigste Schritt.Zur Seite für Selbstständige

Diese fünf Fehler sind keine Ausnahmen – sie sind die Regel. Nicht weil Selbstständige nachlässig wären, sondern weil das Versicherungssystem komplex ist, die Eigenverantwortung hoch und die Zeit knapp.

Was hilft: einmal innehalten, das Gesamtbild anschauen und die richtigen Prioritäten setzen. Das muss nicht kompliziert sein. Aber es muss irgendwann passieren – am besten bevor etwas passiert.

Wenn du wissen möchtest, welche dieser fünf Punkte auf dich zutreffen, bin ich gern deine Ansprechpartnerin. Kostenlos, unverbindlich und ohne Abschlussdruck.

SW
Autorin
Sarah Maria Wollmann
Freie Versicherungsmaklerin · Lohmar
Seit über 20 Jahren im Versicherungs- und Finanzbereich. Als ehemalige Mitunternehmerin kenne ich die Herausforderungen Selbstständiger aus eigener Erfahrung – ich berate marktunabhängig, ohne Druck und auf Augenhöhe.
Reg.-Nr. D-OKIK-9STX0-44 · IHK Bonn/Rhein-Sieg · § 34d Abs. 1 GewO
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Welche dieser 5 Fehler
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Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Versicherungsberatung. Die beschriebenen Szenarien und Konsequenzen basieren auf typischen Praxisfällen und geben keine Garantie für konkrete Ergebnisse. Angaben zu gesetzlichen Regelungen (§ 44 SGB V, § 43 SGB VI, § 276 BGB) geben den allgemeinen Rechtsstand wieder. Sarah Maria Wollmann ist als freie Versicherungsmaklerin (Reg.-Nr. D-OKIK-9STX0-44) tätig und berät zu Versicherungsprodukten gemäß §§ 60, 61 VVG. Keine Steuer- oder Rechtsberatung.

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